Jens Maier lebt!

10/01/2018 2 min tlaxcala-int.org #136841

Sami Omar

Ich weiß schon seit langer Zeit, dass die Welt ungerecht ist. Und doch schafft mein Geist Räume der Balance, damit ich an dieser Wahrheit nicht vergehe. Erst kürzlich dachte ich: "Roger Willemsen ist tot, Jens Maier lebt." Um dann schnell wieder an etwas Schönes zu denken. Ich glaube, es war ein Witz, den ich mir selbst erzählt habe. Sie sollten mal in meinem Kopf zu Gast sein. Da bin ich zum Totlachen komisch.

Jens Maier, Bundestagsabgeordneter der AfD hatte Noah Becker, den Sohn des ehemaligen Tennisspielers Boris Becker, rassistisch beleidigt. Darauf folgte zunächst die erfolgreich und gezielt evozierte Empörungswelle vieler Medien, die absurderweise zu großen Teilen die rassistische Provokation reproduzierten indem sie seine verunglimpfende Sprache übernahmen. Etwas später - und von vielen nicht hinreichend zur Kenntnis genommen - äußerte sich die "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" zu den Äußerungen Maiers. Wenig überraschend, dafür in großer Klarheit forderte sie von den Medien" "...einen reflektierteren Umgang mit Sprache zu etablieren, welcher berücksichtigt, dass die ständige Reproduktion rassistischer Begrifflichkeiten letztlich mit dazu führen, dass Rassismen hoffähig bleiben..."

Als ich mit meinem Sohn heute den Radiosender SWR 3 hörte wurde der Begriff, den Maier wählte, in einer Nachrichtensendung ohne Not wiederholt. Mein Sohn weiß, was Rassismus ist, er erlebt ihn selbst, ohne dafür schon genug Worte zu haben. Doch zum ersten Mal habe ich heute direkte und unmittelbare Betroffenheit bei ihm miterlebt. Ausgelöst durch die Beiläufigkeit, Normalität und Unkommentiertheit der zitierten Beleidigung. Wenn es im Radio gesagt wird, dann ist es vielleicht mehr, als eine Beleidigung auf dem Schulhof, sondern schlicht Normalität - so war der Gedanke, hinter dem Gefühl.

Wie gesagt, ich weiß, dass die Welt ungerecht ist. Auch unsere Kinder lernen das. Das Beharren auf rassistische Sprache in vielen Medien vermittelt aber den Eindruck, die Debatte um rassistische Sprache selbst sei überzogen.

Und das ist, um es mit meinem Sohn zu sagen: totale Scheiße!

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